Blutohren – Heilung mit Hindernissen

Nach einem kleinen Zwick ins Ohr durch einen anderen Goldie wurde mein Ohr am nächsten Tag dick. Frauchen fuhr mit mir zu Tierarzt und wollte wissen, wieso mein Ohr so dick ist. Es fühlte sich wie eine gefüllte Wärmflasche an Warm und wabbelig. Ein kurzer Blick des Tierarztes genügte. Es ist ein Blutohr. Ein was? Blutohr. Ich wußte nicht was das war und Frauchen leider auch nicht. Der TA erklärte uns, dass sich die Haut von dem Ohrenknorpel gelöst hatte und sich dieser Hohlraum mit Blut füllt, bis der Blutdruck im Ohr ausgeglichen ist. Was tun? Der erste Behandlungsschritt ist das Ohr zu punktieren und dann so zusammenzubinden, dass die Ohrenhaut eng auf dem Knorpel anliegt. So ähnlich wie ein Wurstbrot, wobei die Haut oben und unten dem Brot und der Knorpel der Wurst entsprechen würde. Gesagt getan. Ich sollte unter keinen Umständen meinen Kopf schütteln. Ich und nicht schütteln?! Ich schüttele meinen Kopf so etwa 30 mal täglich. Das Ohr wurde punktiert und bandagiert. Der Verband sollte 2 Wochen draufbleiben, dann sollte es wieder gut sein. Nach 2 Wochen kam der Verband ab und alles sah gut aus. Doch nach ein paar Wochen füllte es sich wieder. Die Prozedur ging von vorne los. Diesmal blieb der Verband 3 Wochen am Ohr. Endlich war der Verband wieder ab, aber nach nur 1 Woche war das Ohr wieder dick. Das Ohr wurde wieder punktiert. Dies geschah noch weitere 35 mal. Die Abstände des Verbandes wurden länger, die Abstände der Befüllung immer kürzer. Irgendwann lief es sofort wieder nach. Der Tierarzt schlug uns die Operative Methode mit dem „ein Stück rausschneiden“ vor. Gesagt getan. Noch unter Narkose stand ich vom OP Tisch auf. Ich sprang runter, schwankte total benommen der Wand entlang Richtung Ausgang. Noch bevor ich die Tür erreichte schüttelte ich meinen Kopf, das Blut spritzte durch den OP und auf dem Weg nach draußen durch die ganze Praxis. Es sah aus, als ob mehrere Tiere hier geschlachtet worden wären. Im Auto angekommen ergab ich mich der Narkose wieder. Endlich nach Hause war mein Vorhaben. Frauchen war schockiert. Ich bin und war der erste Hund der in Narkose vom OP Tisch sprang. Der TA meinte, dass mein Vorhaben nach Hause zu gehen die Narkose unterdrückte und erst als ich mich im Auto sicher fühlte wieder wegsackte. Wir fuhren nach Hause. Das Ohr blutete stark. Nach einem Anruf beim TA sollte ein Druckverband das Problem lösen, was aber auch nach 1 Stunde nicht eintrat. Ich wurde sofort wieder in die Praxis gefahren. Die Venen im Ohr sind durch das starke Schütteln aufgegangen und das Blut lief nun in Strömen aus meinem Ohr. Die Venen mussten verödet werden. Nachdem ich aber noch nicht ganz fit von der letzten Narkose war wurde dies ohne Narkose mit nur einer örtlichen Betäubung gemacht. Es roch nach verbranntem Fleisch. Ich war tapfer und gab keinen Laut von mir wogegen Frauchen bei dem Anblick des vielen Blutes und der Behandlungsmethode zusammenklappte. Sie wurde auf einen Stuhl gesetzt und mit dem Gesicht zu Wand gelehnt, so dass Sie nicht mehr umkippen konnte aber auch nicht dem Treiben zusehen konnte. Nach einer weiteren Stunde war die Blutung unter Kontrolle gebracht. Nach einigen Wochen war das Ohr verheilt. Leider war die Freude nur von kurzer Dauer, da sich das Ohr wieder füllte. Es wurden weitere Punktierungsversuche vorgenommen und diese blieben wie zuvor nicht besonders erfolgreich. Es wurde eine Dränage gelegt. Dazu wird ein Loch oberhalb und unterhalb des gefüllten Gewebes gemacht und die Dränage durchgezogen. Es sieht fast wie ein Gummischlauch aus. Damit er nicht herausrutscht wird die Dränage außen zusammengebunden. Diese muss dann täglich bewegt werden, so dass sich die Wunde nicht schließen kann und der Hohlraum langsam zusammenwachsen kann. Diese Methode hatte aber auch keinen Erfolg an meinem Ohr. Ich fing an sehr unleidlich zu werden und bei jedem TA Besuch fing ich an etwas neues auszuprobieren. Beim ersten Versuch fing ich an wie Espenlaub zu zittern, das wurde aber ignoriert. Beim zweiten Versuch wimmerte ich aus tiefster Seele. Der dritte Versuch war ein tiefes Knurren, aber auch dies beeindruckte den TA nicht. Mein letzter Versuch war ein angetäuschter Angriff den der Tierarzt überrascht zur Kenntnis nahm. Man muss sagen, dass ich sonst nie ein Zeichen von mir gebe. Keine Laute und auch keine Zeichen von Angst oder Aggression. Ich wollte aber endlich in Ruhe gelassen werden und mein Ohr auch. Frauchen war Verzweifelt. Der Tierarzt am Ende mit seinem Latein. Was tun. Das Ohr wurde wieder punktiert und diesmal am Kopf festgeklebt, aber das hielt mich erst recht nicht vom Schütteln ab. Daher wurde dann ein Netzstrumpf über meinen Kopf gestülpt, so dass ich das Ohr auf keinen Fall bewegen können würde. Da ich das richtig blöd fand, fing ich Nachts an mit den Pfoten den Netzstrumpf abzuziehen. Verfing mich dann aber immer mehr in den Schlaufen bis ich total eingewickelt das Wimmern anfing, da ich mich nicht mehr bewegen konnte. Frauchen lachte obwohl es nicht wirklich etwas zu lachen gab. Sie recherchierte im Internet und fand einen Artikel eines anderen TA, der Hauptsächlich Nutztiere betreute und der eine Zitzen-Dränage, die normalerweise für das entzündete Euter einer Kuh gedacht sind, in das Ohr seines Hundes nähte, als dieser an einem Blutohr erkrankte. Frauchen druckte den Bericht aus und fuhr mit mir zum Tierarzt. Der bestellte diese Zitzen-Dränagen und nach 2 Tagen war ich der erste Hund in der Praxis der diese Methode ausprobieren durfte. Durfte? Ich wurde bei all dem nicht gefragt. Diese Methode brachte endlich den Durchbruch und das Ohr vernarbte ohne sich wieder zu füllen. Das Narbengewebe gibt dem Ohr den halt, dass es, in den meisten Fällen, nicht mehr zu einem Blutohr kommen kann. Diese Prozedur dauerte fast 9 Monate. Ich war wieder glücklich und auch die neuen Tierarztbesuche waren wieder OK. Außer wenn mein Ohr angefasst wurde. Kaum ein Jahr nach der letzten Behandlung des Blutohrs, war ich wieder beim Tierarzt. Diagnose: Blutohr. Aber nein nicht am gleichen Ohr, diesmal war es die andere Seite. Frauchen war am Ende. Ihr kullerten die Tränen hinab. Wieso schon wieder Odie. Er hat doch erst qualvolle 9 Monate auf der linken Seite hinter sich. Wir dachten das Thema wäre Vergangenheit. Auch bei diesem Ohr wurde wieder mehrere duzend Male Punktiert. Dränagen gelegt. Frauchen wollte etwas anderes noch ausprobieren, was Sie im Internet recherchiert hatte. Blutegel. Sie bestellte diese und  das Blutohr wurde damit bestückt. Nach 3 Aderlass-Prozeduren, war aber klar, dass dies auch nicht funktionieren würde. Das Blutohr war nach jeder Behandlung dicker wie vorher. Der TA erklärte uns, dass es an dem Unterdruck im Hohlraum liegen würde und dass es sich wieder füllen muss um den Druck auszugleichen. Wieder erhielt ich eine Zitzen-Dränage. Der Erfolg hielt aber auch nicht lange. 2 weitere Dränagen wurden gelegt. Endlich war auch dieses Ohr so vernarbt, dass es sich nicht wieder füllte. Dies ist jetzt 4 Jahre her und meine Ohren sind immer noch OK. Jetzt werdet Ihr euch sicherlich fragen, wieso nicht einfach das Blut dort belassen wo es hineingelaufen ist. Ganz einfach, es verhärtet sich ,das Ohr zieht sich zusammen wie eine verdorrte Frucht und würde sehr schmerzhaft werden. Das wollte mein Frauchen mir nicht antun. Da ich meinen Kopf so gerne schüttle würde ich dabei jedes Mal Schmerzen haben. Also liebe Zwei- und Vierbeiner da draußen passt auf eure Ohren auf und haltet diese schön in den Wind. LG euer Odie

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26 Gedanken zu “Blutohren – Heilung mit Hindernissen

  1. Wie gut, dass Du jetzt schon vier Jahre Ruhe hast – aber es muss schon eine richtige Odyssee gewesen sein. Wie gut, dass Dein Frauchen sich so gründlich informiert hat und Dir dann doch geholfen werden konnte. Wie bist Du denn eigentlich zu Deinem 2. Blutohr gekommen – hat Dich da auch jemand gezwickt?!
    Ich bin froh, dass wir damit noch keine eigenen Erfahrungen machen mussten … ich hoffe, es bleibt auch so.

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Damon und Cara

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    1. Hallo Isabella. Das 2. Blutohr kam, da ich so oft meinen Kopf geschüttelt habe, dass dann auch irgendwann das 2. Ohr nachgegeben hat. Meist bekommen Rassen wie Golden Retriever, Schäferhunde, Bulldogen solche Probleme. Muss nicht kann aber passieren. Ich muss aber ehrlich gestehen, dass ich mehr Golden Retriever (ca. 8 Stück) gekennengelernt habe, die sowas schon mal hatten. Bisher aber nur eine Französische Bulldoge und einen Deutschen Schäferhund, die das mal hatten.
      Ich wünsche keinem so etwas, nicht mal meinem schlimmsten Feind. Das hat keiner verdient. Ich drücke dir die Pfoten, dass du es auch nie erleben wirst. LG Odie

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  2. Lieber Odie,
    diese furchtbare Geschichte muss irgendwie an mir vorbeigegangen sein, sonst hätte ich mich selbstverständlich noch am selben Tag bei dir gemeldet! Das geht einem ja richtig unter die Haut! Vor allen Dingen, weil ich die gleiche Angewohnheit habe wie du: mich zig-mal am Tag zu schütteln. Vor Freude, vor Aufregung, bei Angst und (wie man hier im Rheinland sagt) einfach aus Spaß an der Freud‘!
    Halt jetzt bloß die Ohren steif!
    Dein Freund Odie

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  3. Mein Goldie (inzwischen verstorben) wurde zweimal deswegen operiert, aber Ursache waren immer Milben in den Ohren und ständiges Schütteln…..er musste über Nacht beim Arzt bleiben beide Male….dann sahen die Ohren zwar aus, als wäre mit der Nähmaschine drüber gefahren worden, aber Problem beendet…

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    1. So eine OP hatte ich versucht. Das hat leider nicht gehalten. Goldies sind aber leider sehr anfällig dafür. Es freut mich aber, dass ihr das so schnell überstanden hatte.
      Wenn etwas ganz außergewöhnlich ist oder sehr kompliziert abläuft, dann wird immer gesagt: Es ist halt Odie. Und das stimmt. Manchmal treibe ich auch den Tierarzt in den Wahnsinn. Ich bin halt leider nicht so einfach zu behandeln. LG Odie

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      1. Hallo. Leider zu spät. Ich bin zwar seit ich Welpe war gegen Borreliose geimpft, bin aber im Juli 2014 an Anaplasmose erkrankt. Die Krankheit hat mich fast getötet. Es gab Phasen, wo sogar der Tierarzt dachte, dass ich bald gehen werde. Ich muss sagen, dass aber Frauchen alles im Internet recherchiert hat und alles ausprobiert hat um mich zu retten. Ich fühle mit dir Zecken sind richtig schlimm. Ich werde in meinem nächsten Blog von der Anaplasmose berichten, da es sehr schwierig ist, dies festzustellen und die Behandlung nicht ohne ist. Leider ist die Krankheit auch nicht heilbar. LG Odie

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      2. Ich leide mit Dir Odie….Sam hat es auch fast getötet, man hatte ihn aufgegeben und wirklich erholt hat er sich später nie davon…….und was so eigenartig ist, Odie Du siehst ihm verdammt ähnlich ;-)))

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      3. Sam war ein waschechter Bayer ;-)….aber wer weiss, seine Eltern waren mehrfach prämiert…sie haben sicher ihre Fusspuren aehm Pfoten an vielen Orten hinterlassen 😉

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  4. Mein lieber Odie, das hört sich ja ganz furchtbar an😣 was du alles über sich ergehen lassen musst .. Aber mein Odie ist immer noch so stark und positiv ! Wunderbar! Das haben wir wohl beide gemeinsam… wir machen immer weiter, auch wenn es manchmal schwer ist. Bleib so wie du bist, denn jede Veränderung wäre ein fataler Fehler!!! 😘💋😘 Deine Christine !

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    1. Hallo meine liebe Christine. Vielleicht habe ich dich deshalb so lieb weil wir uns so ähnlich sind. Wir beide kämpfen uns durch jeden Tag. Deshalb bin ich auch immer für dich da. Gemeinsam ist jede Hürde nur noch halb so schwer zu erklimmen. Denke immer an dich. Willst du mir nicht die Adresse von deiner AHB schicken, dann würde ich dir schnell mal ein Bild schicken. So zur Stärkung. 😃 GLG dein Gold Löckchen Odie

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      1. Mein lieber Odie!!!😍 Das ist so schön zu lesen und ich freue mich so sehr mit Dir befreundet zu sein…. Die Adresse findest du im Text, wenn Du Quellenhof anklickst 😉 über ein Foto von Dir freue ich mich sehr !!! Drück Dich, Deine Christine ! 😘

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