Als OPA fortging und nicht wiederkam – Odie verliert seinen OPA und Frauchen den Papa

Eines morgens klingelte das Telefon. OMA war dran und weinte. OPA wäre letzte Nacht nicht nach Hause gekommen. Herrchen, Frauchen und ich fuhren auf die Polizei und meldeten ihn als vermisst. Der Kommentar: Ein Mann in diesem Alter wird nicht vermisst. Er ist Abgängig. Nur wenn ein Abschiedsbrief oder ein Hinweis auf ein Verbrechen vorliegt, wird ein Erwachsener vermisst. Somit suchten wir tagelang selbst nach ihm. Jeden Tag wurde bei der Polizei angerufen. Ich schnupperte die üblichen Wege ab, nichts. Jede Woche vertröstete uns die Polizei, dass sich die Kriminalpolizei bald einschalten würde. Die Wochen vergingen. Ein Bekannter von OMA erzählte uns dann, dass ein Mann mit einer Kopfverletzung ins Krankenhaus eingeliefert worden ist, der sich für den Weihnachtsmann hält. Da OPA einen weißen buschingen Bart und einen Bierbauch hatte, keimte die Hoffnung auf. Alle Krankenhäuser in Erlangen wurden persönlich abgeklappert. Doch nichts. Später stellte sich heraus, dass dieser Bekannte nur einen Witz machen wollte. – Kein guter Scherz –

Nach fast 5 Wochen kam die Kriminalpolizei bei Frauchen vorbei. Es war auch noch ihr Geburtstag. OPA ist tot.

Man hat Leichenteile im Kanal schwimmend gefunden. Nach 2 tägiger Suche mit Leichenspürhunden und Rettungsboten wurden Teile der Beine und Arme und ein Stück Schulter gefunden. – Wo ist der Rest???

Auch nach wochenlanger Suche keine weiteren Teile. Die Fundstücke wurden solange in der Gerichtsmedizin eingefroren. Nach weiteren 2 Monaten stellte die Gerichtsmedizin einen Totenschein aus. Todestag: 17. November bis 9. Dezember 2008. Sie nahmen den Tag an dem wir Ihn vermisst gemeldet hatten und den Tag an dem das erste Leichenteil gefunden wurde. Totesursache nicht ermittelbar. Frauchen war am Ende. Sie weinte permanent und konnte nicht schlafen. Sie musste in Behandlung gehen und konnte monatelang nicht arbeiten.

Ich verstand nicht was passiert ist. Frauchen weint, OPA ist weg. OMA weint, Herrchen versucht zu trösten. Was machen wir nun? Ich tat das einzige was ich tun konnte. Ich kam jeden Tag zu Frauchen auf die Couch und ließ sie sich an mich kuscheln. Normalerweise hasse ich kuscheln, aber hier musste ich eine Ausnahme machen. Es half etwas. Sie weinte sich in meinem Fell in den Schlaf. Jeden Tag. Monate Lang.

Immer wieder rief sie bei der Kripo an, und fragte, ob OPA gelitten habe, ob es ein Gewaltverbrechen war, oder, oder, oder. Nach weiteren 4 Monaten hatte sich Frauchen endlich zu einer Beerdigung durchgerungen. Doch dann ein Anruf von der Kripo. Leider kann keine Beerdigung stattfinden. Wir haben einen Fuß gefunden. Wieso jetzt, wieso nicht den Rest? Wieder brach Frauchen zusammen. OMA verfiel in einen „Das ist alles nicht wahr“ zustand. Wieder wurde gesucht. Aber nur der Fuß gefunden wurden. Die Beerdigung wurde verschoben. Fast ein Jahr später wurden die Teile beerdigt. Frauchen war so am Ende, dass Sie kein Datum auf dem Kreuz haben wollte. Viel zu viele Menschen sprachen Sie auf OPA an. Sie wollte und konnte keine Fragen beantworten. Ich war bei Ihr. Auch auf der Beerdigung war ich dabei. Ich war Ihre seelische Stütze. Sie war immer für mich da. Nun war es Zeit mich einmal dafür zu revangieren.

       

Es dauerte Jahre bis Frauchen aufhörte Alpträume zu haben. Einen Kopf und einen Torso (Körper) wurde nie gefunden.

Wir alle vermissen OPA. Wir wissen alle, dass OPA auf uns am Ende der Regenbogenbrücke wartet. Er wacht über uns.

An alle die jemanden Verloren haben. Der Schmerz geht nie, es wird nur leichter damit zu leben. Und man lernt damit umzugehen.

Odie

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63 Gedanken zu “Als OPA fortging und nicht wiederkam – Odie verliert seinen OPA und Frauchen den Papa

      1. Wir dachten auch, dass dies alles nicht wahr sein kann. Wir wollten einfach nur aufwachen. Leider ist es die Realität und es war nur sehr schwer zu verdauen. Danke für deine Lieben Worte. LG Odie

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      2. ach Odie….Du hast schon so viel Kraft in Deinem Leben gebraucht und Stütze gegeben…ihr gebt euch gegenseitig so viel. Du bist wunderbar und Deine Familie braucht Dich genauso wie Du sie !

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      1. Ich habe es gerade fertig gelesen und bin ehrlich geschockt. Mein herzliches Beileid, Es ist eh der Horror, wenn man einen geliebten Menschen verliert, aber dann auf diese Weise … Da fehlen selbst mir die Worte. Ich kann nur noch mal zum Ausdruck bringen, wie leid es mir tut. Schrecklich.

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    1. Nein, nur wenn begründeter Verdacht auf ein Verbrechen besteht. Oder Selbstmord, oder z. B. jemand der mit Alzheimer aus dem Pflegeheim abhaut. Ein Erwachsener, der ohne Nachvollziehbare Gründe nicht mehr heim kommt ist abgängig. Leider. Vielleicht hätte man ihn lebend finden können, wenn man gleich nach ihm gesucht hätte. Ich weiß es aber nicht. Da er Zuckerkrank war, denke ich er hatte eine Unterzuckerung und er ist mit dem Fahrad reingefallen und ertrunken.

      Ich habe den Blog vervollständigt. Der Rest ist dort auch zu lesen.

      Vielen Dank für deine Worte.

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      1. Ich weiß. Am Anfang gingen die Phantasie und die Gedanken mit uns durch. Alpträume, Angst, Sorgen und jetzt die tiefe Trauer. Danke für deine Worte. LG Odie

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      1. Ich hatte auch nur den ersten Teil gelesen und dachte mir schon, dass da noch etwas kommt.
        Eine sehr, sehr traurige Geschichte und bestimmt ganz besonders traurig für die Oma. So ein Schicksalsschlag ist auch nicht gerade förderlich für die MS. Meist geht es dann los… so war es auch bei mir. Aber Odie kann bestimmt gut trösten und muntert ein wenig auf. Ich habe Odie schon richtig in mein Herz geschlossen!!!

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  1. Ich weiß gar nicht was ich sagen soll, es ist mir schwer gefallen es zu liken aber es bedeutet, dass ich Anteil nehmen möchte. Kann mir gut vorstellen, dass so ein Schlag Jahre braucht um ihn zu verarbeiten. Ihr habt wirklich schon einiges durch und ich wünsche Dir und Deinem Frauchen, dass ihr diesen Alptraum jeden Tag besser verarbeiten könnt. Ich umarme euch mal lieb und auch Zara und Mr. Awesome senden viel Liebe für Euch.
    Marci und ihr Ninjaclan ❤

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    1. Vielen Dank für deine lieben Worte. Wir lernen jeden Tag mit diesem Wissen zu meistern. Mal schlechter mal besser. Es tut gut zu wissen, dass andere an unserem Schicksal teilnehmen. Frauchen hat sich lange dafür schuldig gefühlt. Sie trägt keine Schuld an der Situation, aber sie fühlt schuldig. Danke für dein Mitgefühl. GLG Odie

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  2. Zuerst war ich wie erstarrt…und wieso so viele likes? Ich habe es dann einfach als Anteilnahme gesehen und meinerseits auch so gemeint. Ich hatte noch etwas hier geschrieben und dann vor Veröffentlichung doch wieder gelöscht…richtige Worte zu finden ist einfach für mich unmöglich.
    Meine eher stille Anteilnahme…
    Petra

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    1. Danke Petra. Ich danke dir für deine Anteilnahme. Für diese Situation gibt es keine richtigen oder falschen Worte. Es ist einfach eine furchtbare Tragödie die so einfach nie hätte passieren dürfen. Es lässt sich aber nicht ändern, man muss lernen damit zu leben. Wir versuchen das seitdem. Manchmal geht es besser, manchmal schlechter. Frauchen sagt immer ich bin Ihr Therapiehund. Ich tue ihr einfach gut. Vielleicht sind wird daher so eng miteinander verbunden. GLG Odie

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    1. Ja, sie hat keinen anderen an sich herangelassen. Alle in unserem Umfeld konnte ihr Verhalten nicht nachvollziehen. Ihre Weinattacken. Ihre Gedanken. Sie hatte so viele Fragen und keiner konnte ihr Antworten geben. Wir brauchen uns und sind immer für einander da. Vielen Dank für dein Mitgefühl. GLG Odie

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  3. Ich möchte mich nochmals bei allen Leser für deren liebe Worte, deren Anteilnahme und deren Verständnis bedanken. Wir hatten lange überlegt, ob es richtig wäre diese Tragödie zu bloggen. Wir haben uns entschieden es mit euch zu teilen. Sich der Tatsache zu stellen. Es schwarz auf weiß niederzuschreiben bringt uns einen kleinen Schritt weiter mit der Situation Frieden zu schließen. Ein winziger Schritt von vielen Schritten, die noch folgen. Wir werden wohl nie damit abschließen können, da wir auch nie wissen werden was wirklich geschehen ist. Aber es spendet uns Trost zu wissen, dass ihr mit uns fühlt und für uns da seid. Vielen Lieben Dank. Odie

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  4. Hallo Odie,
    das ist ja ein absoluter Alptraum für deine Familie. Wir waren und sind sehr traurig als wir gelesen haben, was deiner Familie widerfahren ist 😦 Und diese Ungewissheit bleibt ja immer noch – was, wie, warum? Wir können gut verstehen, dass dein Frauchen Probleme hatte das zu verkraften. Der Tod eines geliebten Menschens ist ja so schon schwierig, aber unter diesen Umständen ist das wirklich Horror.
    Wir sind so froh, dass du deinem Frauchen so zur Seite gestanden hast und ihr Trost gespendet hast. Aber mach das bitte auch weiter, denn es wird immer wieder aufflackern – wir wissen wovon wir maunzen – unsere Opas sind ja leider auch schon überm Regenbogen. Aber dort passen sie auf uns auf! Und wir sehen sie alle irgendwann wieder.
    Trostschnurrer Engel und Teufel

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    1. Ich danke euch Samtpfoten für eure lieben Worte. Seitdem OPA nicht mehr da ist, sind wir noch enger zusammengewachsen. Ich bin seitdem wirklich überall dabei. Frauchen sieht mich als ihre seelische Stütze. Sie meint immer, dass ich der einzige bin, der sich ihre Sorgen immer und immer wieder anhört ohne sich von ihr abzuwenden. Viele Freunde haben sich nach dem Vorfall abgewendet, da Frauchen nicht mehr so funktioniert hat wie von ihr erwartet wurde. Die meisten sagten: Jeder muss mal sterben, da muss man darüber hinwegkommen. Jeder hat schon mal jemanden verloren. Das ist wohl war, aber doch nicht so. Wir hätten alles gegeben, wenn wir ihn einfach tot gefunden hätten und ihn dann einfach beerdigt hätten können. Die ganze Situation war für Frauchen so aber kaum tragbar. Immer wieder stand sie Stundenlang am Kanal und hat hineingestarrt. Wollte den Rest um jeden Preis finden. Alles was auf der Wasseroberfläche schwamm wurde für mögliche Teile von OPA gehalten. Nach mehereren Wochen hat ihr dann Herrchen verboten dort Gassi zu gehen, da sie immer Hysterisch wiederkam. Wochenlang ist sie nachts schreiend aufgewacht. Ich lag immer dicht bei Ihr und habe ihr mein Fell zum Trocknen der Tränen zur Verfügung gestellt. Auch jetzt noch starrt sie manchmal ins Wasser und hofft ihn zu finden….Ich und Frauchen sind wie zwei hälften, die ohne einandern kein ganzes sind. Wir sind eins. für immer und ewig. Vielen Dank für euer Mitgefühl und eueren lieben Worte. GLG Odie

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      1. Sie waren wahrscheinlich selbst so überfordert mit der Situation, dass sie sich lieber abgewendet haben, als die seelische Bürde mitzutragen. LG Odie

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  5. Erst jetzt habe ich diesen Beitrag entdeckt. Was für eine traurige Geschichte! Es ist doch sowieso schon schlimm einen lieben Menschen gehen zu lassen, mit dem was euch passiert ist, ist es noch viel schwerer. Es tut mir so leid für euch und wünsche euch alles Liebe!

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    1. Vielen dank für deine Anteilnahme und deine lieben Wünsche. Es tut gut zu wissen, dass es kein Fehler war die Geschichte zu bloggen. Ich hatte die Befürchtung, dass wir viel Kritik ernten würden, so wie damals, als die Nachbarn permanent damit angegangen sind. Die haben uns mit Fragen bombadiert, für die wir selbst keine Antwort hatten. Im Internet auf der Seite der Zeitung wurde der „Finder“ als der „Ärmste“ dargestellt. Er hat nur den Fuß im Wasser schwimmen sehen. Die Familie hatte es am Schlimmsten. Die wurde aber dafür richtig niedergemacht. Wir haben ihn aber nicht hineingeworfen, oder ihn zerstückelt. Damals wollte und konnte Frauchen mit niemanden darüber reden. Als ich den Blog verfasste, da war Frauchen ganz nervös und ängstlich. Sie wusste nicht, ob es wie damals sein würde. Die Kränkungen, die blöden Kommentare. Danke für eure aufrichtige Anteilnahme. Danke, dass Ihr uns so toll in euere Blogger-Gemeinschaft aufgenommen habt. Das ist das Beste, was uns diese Jahr passiert ist.

      DANKE.

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  6. Ein wirklich schlimmer Alptraum, den ihr da durchleben musstet oder in dem ihr immer noch seid. Unser tiefes Mitgefühl. Ich finde es immer wieder schön zu sehen/hören, dass die Liebe eines Tieres soviel geben kann und ich bin froh, dass du deinem Frauchen soviel Zuversicht und Liebe schenkst.
    Ich hoffe, dass ihr bald etwas Ruhe findet, denn auch in den anderen Posts geht es ja sehr turbulent zu… eine echte Pechsträhne die ihr da habt… das tut mir so unendlich leid.
    Wir wünschen euch, dass ihr noch lange für einander da sein werdet. Denn es stimmt wirklich, geteiltes Leid ist halbes Leid.
    Alles Liebe

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    1. Danke für deinen Beistand. Es tut gut so viel Zustimmung zu bekommen. Das war damals als es passierte leider nicht so. Daher fühlen wir uns hier in der Blogger-Gemeinde sehr liebevoll aufgenommen.
      Ja wir haben eine Pechsträhne. Aber auch im größten Unglück haben wir uns gehabt und uns beigestanden. Jeder von uns wäre alleine schon verloren gewesen. OPA ist auf der anderen Seite der Regenbogenbrücke und er passt auf uns auf, da sind wir beide uns ganz sicher. GLG Odie

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